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Montag, 16. Dezember 2013

Why are you here?


Heute jährt sich zum vierten Mal der Todestag von Florian Hufsky, Mitbegründer der österreichischen Piratenpartei im Jahr 2006. Hufsky organisierte im Jahr 2007 die erste Konferenz der PPI, der internationalen Piratenvereinigung Pirate Parties International.
Florian Hufsky erkannte, daß sich keine Partei wirklich für die Themen und Anliegen der jungen Leute interessierte, und in einem Radiointerview vom 07.Juni 2007 kritisierte er den Überwachungswahn unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung, sowie den zunehmenden Schwund von Privatsphäre und Pressefreiheit.

Manchmal ist es nicht einfach PiratIn zu sein. Piratenparteien sind Zusammenschlüsse politisch interessierter Laien, die ihre Persönlichkeitsrechte schützen und eine Politik abseits des Lobbyismus gestalten möchten. Zu oft verlieren wir uns in Diskussionen um personelle, strukturelle und organisatorische Probleme mit denen wir uns als Do-it-yourself-Politiker konfrontiert sehen. Und nicht selten haften wir detailverliebt an Kleinigkeiten und verlieren dabei das große Ganze aus dem Blick.
Daher sollten wir uns immer wieder erinnern an jene Beweggründe, deretwegen wir zu den Piraten gestossen sind und, was wir mit unserem Engagement bewirken möchten. Warum bin ich PiratIn geworden - was wünsche ich mir uns von Politik der Zukunft?

Why are you here?


Ein Gedankenanstoss...

Autorin: Irene L.

Sonntag, 22. September 2013

Das Kassandrasyndrom der Piraten

Kassandra, das Orakel aus dem alten Griechenland, war eine tragische Figur, die immer das Unheil voraussah, aber niemals Gehör fand. Und irgendwie geht es den Piraten ähnlich - sie sind jene Partei, die als einzige auf die Gefahren durch die Überwachung im Internet und mangelnden Datenschutz lautstark hinweisen. Sie malen ein Orwell´sches Big Brother-Szenario an die Wand, auf das wir zweifellos rasant zusteuern, weil unsere Regierungen es verabsäumen uns Bürger vor Datenmißbrauch seitens diverser Geheimdienste und Firmen zu schützen.

Deutschland hat gewählt und die Piraten konnten dabei etwa 2,3% der Stimmen erringen. Angesichts der Wahlbeteiligung von deutlich über 70% der etwa 62 Millionen Wahlberechtigten sind das gar nicht so wenige Stimmen. Da es leider in Deutschland eine 5%-Hürde gibt um im Bundestag zu partizipieren, so bedeutet das, daß etwa EINE MILLION Piratenunterstützer nun keine Mitsprache im Bundestag haben werden.
Und das traurige daran ist, daß die Wahlgewinner weiterhin die Datenmißbrauchsskandale und deren künftige Folgen für die Zivilgesellschaft unter den Teppich kehren werden. Meine Konklusio daraus ist: Piratenpolitik wird weiterhin brandaktuell bleiben!

Auch, wenn´s für die deutschen Piraten bei dieser Wahl nicht für den Einzug in den Bundestag gereicht hat, so muß man optimistisch in die Zukunft blicken. Bei den U-18 Wahlen haben über 12% der Jugendlichen die Piraten gewählt und diese werden bei den kommenden Wahlen auf jeden Fall wahlberechtigt sein. wenn also die Piraten weiterhin auf Kurs bleiben, selbst wenn sie dafür das Kassandrasyndrom verfolgt, so haben sie das größtmögliche Potential für die Zukunft, zumal das Problem der Überwachung durch die Regierungsparteien wahrscheinlich ungelöst bleibt. Datenschutz und Schutz der Privatsphäre, sowie die Netzfreiheit, sind die Themen der Gegenwart und der Zukunft.
Eine Million Piratenwähler sind eine starke Kraft, denn sie haben den Wert der Freiheit, die das zentrale Piratenanliegen ist, erkannt.

Ach ja, nur so am Rande: Kassandra war es übrigens, die auch die List hinter dem trojanischen Pferd erkannte und davor warnte...leider unbeachtet von den Regierenden, was letztlich zum Untergang Trojas führte.

Autorin: Irene Labner
Bildquelle: Museum online

Sonntag, 9. Juni 2013

Überwachung durch Staat und Wirtschaft


Zurzeit ist der Überwachungsstaat wieder in aller Munde ausgelöst durch die Nachrichten aus Amerika in denen der Geheimdienst NSA heimlich Daten von Telefonkunden und Internetusern sammelt. Die USA sind damit dem totalen Überwachungsstaat einen gewaltigen Schritt näher gerückt. Wir müssen wachsam sein und alles unternehmen damit dies nicht auch in Europa zur schrecklichen Wirklichkeit wird.

Doch wie sieht es zurzeit aus? Schon heute werden von der Wirtschaft Daten gesammelt, nur in diesem Falle ist ein Protest so gut wie nicht zu spüren. Viele User sind sich gar nicht bewusst dass ihre Daten gesammelt und ausgewertet werden. Nehmen wir ein schönes Beispiel, ihr sucht auf Amazon nach irgendeiner Ware und wundert euch dann wenn ihr auf einer anderen Seite in einer Werbeanzeige von Amazon genau die Artikel seht, nach denen ihr gesucht habt. Hier gibt es keinen Aufschrei, keinen Protest, obwohl dieser auch hier angebracht wäre, denn es geht um EURE Daten, EUER Surfverhalten, das gnadenlos aufgezeichnet und ausgewertet wird.

In den sozialen Netzwerken wie Facebook schaut es auch nicht besser aus, jedes „gefällt mir“ auf das ihr klickt wird gespeichert und für entsprechende Werbezwecke verwendet, dies ist bis zu einem gewissen Grad ja verständlich da Facebook ja „GRATIS“ ist, nur nichts ist wirklich gratis auf dieser Welt es kostet zumindest eure persönlichen Daten, dessen sollt ihr auch bewusst sein.

Hat schon mal jemand von euch versucht sich mit einer entsprechenden Software (zum Beispiel Tor Browser) sich auf Facebook einzuloggen? Wenn ja wird er vermutlich diese Meldung erhalten haben:

Dein Konto wurde vorübergehend gesperrt.
Wir erkennen das Gerät, das du verwendest, nicht. Bitte beantworte ein paar Sicherheitsfragen, um dein Konto zu sichern.


Würde man Facebook nach dem Grund fragen würde man vermutlich zur Antwort bekommen, dass dies nur der Sicherheit des Users dient, ich denke jedoch der wahre Grund liegt darin, das man keine verlässlichen Daten des Users mitloggen könnte.
Seit also wachsam , wenn ihr eure Daten ,sei es auch nur eure Mailadresse bekannt gebt, ihr wisst nie was mit diesen Daten passiert, wie oft sie gespeichert werden, an wen sie weitergegeben werden und denkt stets daran , das nur dann etwas gespeichert werden kann, wenn ihr diese Daten zur Verfügung stellt.

Gastautor: Tiroler Pirat

Linktipp: http://www.zeit.de/digital/internet/2013-06/kongress-obama-ueberwachung

http://derstandard.at/1369363118960/Was-man-bisher-ueber-PRISM-weiss

Donnerstag, 9. Mai 2013

Hier spielt die Zukunftsmusik

Gestern hielten wir unser erstes postelektorales Mittwochs-"Redma"  in der Muskete ab.
Für alle, die unsere "Redmas" noch nicht kennen: das sind unsere wöchentlichen Treffen in lockerer Runde, wo wir besprechen, was in letzter Zeit so angefallen ist und, was in nächster Zeit ansteht.

Ich habe unlängst in einem Leserkommentar im provinnsbruck-Blog etwas gelesen, das ich zuerst nicht recht interpretieren konnte:
Gelassen reagiert die Spitzenkandidatin der Tiroler Piraten, Irene Labner:
"Für uns Piraten ist es von Vorteil, wenn die Grünen in die Regierung gehen...sie sind dann endgültig Systempartei, und wir Piraten können uns in den nächsten Jahren als wählbare Oppositionspartei aufbauen."
(Slogan: Bei den Piraten gibts immer was zum Lachen) 
Ja, natürlich, das Zitat meiner eigenen Aussage weiß ich natürlich schon einzuordnen, aber bei dem eingeklammerten Schlußsatz mußte ich grübeln...er erschloß sich mir erst in unserer gestrigen Gesprächsrunde, denn da sagte mein Piratenkollege Daniel etwas desperat:
"Ich glaube, wir sind einfach 5 Jahre zu früh mit unseren Ideen, weil irgendwie versteht uns niemand."
Ich entgegnete daraufhin: "Ja, natürlich, wir müssen ja auch zu früh dran sein, denn sonst könnten wir ja auch nicht die Politik der Zukunft entwickeln.", woraufhin ein anderer Pirat meinte: "Das ist mal wieder weibliche Logik, das verstehe mal jemand."  Und dann meinte sein Sitznachbar darauf: "Wieso, das stimmt schon."
Dann brach die gesamte Runde in herzliches Lachen aus...und das wiederum verstehen wohl nur Trekkies.

Als in den Sechzigern die erste Enterprise-Serie im Fernsehen anlief, da konnte sich noch kein Mensch vorstellen, daß wir jemals schnurlose Kommunikatoren haben würden, mit denen über große Distanzen mit unseren Freunden sprechen könnten.
Als in den Neunzigern dann flächendeckende, digitale Mobilfunknetze vorhanden waren, da verbreiteten sich schließlich Mobiltelefone irrsinnig rasant. Und seit einigen Jahren können wir damit sogar Videotelefonie betreiben und ins Internet einsteigen, wodurch wir bereits die in Raumschiff Enterprise skizzierte Zukunftsvision überrundet haben.

Die Zukunft gehört denen, die die Möglichkeiten erkennen, bevor sie offensichtlich werden.
(Oscar Wilde, 1854 - 1900)


Autorin: Irene Labner

Samstag, 27. April 2013

Kap Horn erfolgreich umschifft...Wahlkampfrückblicke



Bei Tom Waits und einem kleinen "kühlen Blonden" resümiere ich gerade die vergangenen viereinhalb Monate. Als mir die Piraten im Zuge unserer Listenreihung am 9.Dezember 2012 ihr Vertrauen schenkten und mich zur Spitzenkandidaten der Tiroler Piraten für die Landtagswahl auswählten, da hatte ich noch keine konkrete Ahnung, welche Herausforderungen mich ihm herannahenden Wahlkampf ereilen würden.
Aber wie es so schön heißt - man wächst mit den Aufgaben.
Einen Wahlkampf zu führen neben einer Vollzeitanstellung und familiären Anforderungen, da muß man sich wahrlich im Spagatturnen üben. Möglich war dies nur durch den eisernen Zusammenhalt unserer Piraten. Eine kleine engagierte Truppe, die ihre eigene Freizeit dafür aufopferte um unser Antreten zur Landtagswahl zu ermöglichen und, die sich auch mit ihren bescheidenen finanziellen Mitteln nach Möglichkeit eingebracht haben. Diesen Leuten möchte ich an dieser Stelle, etwas gefühlsduselig durch Tom Waits, auf jeden Fall meinen allergrößten Dank aussprechen - ihr seid ein Hit! Ohne euren Rückhalt und euer Durchhaltevermögen wäre ich in diesem Wahlkampf womöglich auf dem politisch-medialen Parkett ernstlich ins Schlingern geraten.

Besonders negativ erinnere ich mich an die zeitraubende und mühsame Sammlung der Unterstützungserklärungen. Im Feber waren die Wetterbedingungen wirklich noch sehr unwirtlich und wir mußten nicht selten im Schneetreiben auf menschenleerer Straße auf potentielle Unterstützer warten.
Besonders traurig war, daß der Rücklauf via Post leider an einer Hand zum Abzählen war. Ich vermute, daß es einfach immer noch so ist, daß viele Menschen sich denken, DIE ANDEREN würden das schon machen...aber das denken sich DIE ANDEREN ebenfalls und daher unternimmt dann keiner etwas. Das war ja leider bei den zwei letzten Volksbegehren (für mehr Demokratie und gegen Kirchenprivilegien) auch so, daß viel zuwenige Menschen aufs Amt zur Unterschrift gegangen sind, obwohl viele die Inhalte eigentlich befürworten.
DIE ANDEREN werden unsere Welt nicht retten. Und auch in der Politik wird sich nichts verbessern, wenn man immer nur DIE ANDEREN zur Wahl gehen läßt und selbst lieber daheim bleibt.

Ich möchte nicht in einer Welt leben, die immer nur durch DIE ANDEREN bestimmt wird. Daher bin ich Piratin geworden. Ich denke, es braucht eine Erneuerung des politischen Systems. In über 50 Ländern denken bereits jetzt viele Menschen ähnlich und haben daher auch schon über 64 Piratenparteien gegründet.
Diese organisieren sich z.B. in Dachverbänden wie den Piraten Parteien International (PPI). Ein ganz besonderes Highlight für mich war in den letzten Wochen, daß die Piraten Partei Tirol am 21.04.2013 als beobachtendes Mitglied (observer member) in die PPI aufgenommen wurde.

Was mich in den vergangenen Monaten ganz besonders überrascht und erfreut hat, das war die wirklich positive und ausgewogene Berichterstattung der Tiroler Medien. Während wir im vergangenen Gemeinderatswahlkampf in Innsbruck noch die Erfahrung machen mußten, daß man uns zu kaum einer Podiumsdiskussion einlud und uns kaum eines Zeitungsberichtes würdigte, so war ich wirklich erstaunt, wie rege das Interesse auch seitens der Medien an uns war. Dadurch dürfen wir nun bereits vor dem Wahlergebnis zurecht sagen: wir haben schon gewonnen, denn wir hatten zum ersten Mal die Möglichkeit über die Medienberichte landesweit den Tirolern unsere Ideen und Inhalte zu präsentieren.
Meine persönlichen Highlights:
Die TT-Debatte
Im Gespräch mit ORF Tirol
"Kämpfen um Stimmen" in Tirol heute
Kinderfragen in Live-Radio
Jagdclub.tv (ab ca. 8:45min.)

Eine ganz besondere Herausforderung war auch das fast eine Stunde lange Interview mit Radio Freirad. Es war eines der ersten Wahlkampfinterviews und meine Interviewpartner wollten wirklich alles wissen, von persönlichen Motiven über die Visionen der Piraten in Sachen direktdemokratische Internetabstimmungen, bis hin zu Tiroler Themen wie Bildung, Kinderbetreuung, Frauenpolitik, Asylthema und Kultur. Dieses Interview möchte ich jedem empfehlen, der noch offene Fragen zu den Piraten mit sich herumträgt, da es wirklich viele verschiedene Themenbereiche und Sichtweisen erörtert:
Freirad-Interview mit Irene Labner

Ich sehe dem Wahlsonntag nun gelassen entgegen. Ich bin optimistisch, daß wir über den Wahlprognosen liegen werden. Ein Mandat zu erringen, das wäre definitiv das Allergrößte, das uns passieren könnte. Es würde uns die Möglichkeit geben, Anträge in den Landtag einzubringen, und als Stimme der kritischen Bürger die Zukunft Tirols mitzugestalten. Wie auch immer die Wahl für uns ausgeht, wir bleiben am Ball - die nächsten Ziele, nämlich die überregionale Vernetzung mit anderen Piratenparteien und Bürgerinitiativen, sowie Strukturarbeit in Sachen Demokratieverbesserung, sind schon auf unserer To-Do-Liste vermerkt.
Sail on!

Autorin: Irene Labner
Bildquellen: Quo vadis, PPT, Internet
Linktipp: Ideen für die Tiroler Landespolitik


Sonntag, 21. April 2013

Piraten Partei Tirol goes international!


Gestern und heute fand in Kazan (Russland) die Konferenz der Piraten Partei International (PPI) statt. Diese konnte per Livestream weltweit verfolgt werden.
Insgesamt haben sich heuer 21 Piratenparteien um eine Aufnahme als Mitglieder in der PPI beworben, darunter auch wir Tiroler Piraten.
Mit großer  Freude dürfen wir nun kundtun, daß die Piraten Partei Tirol heute offiziell als "Observer member" in den Dachverband Pirate Parties International aufgenommen wurde.


Freitag, 8. Februar 2013

Spock oder Kirk?

Die Wahrscheinlichkeiten bei den Piraten auf einen „Trekkie“ zu stoßen ist wohl überdurchschnittlich hoch. Die Ursache dafür ist jedoch nicht, dass die Piraten auf einem anderen Stern leben, die Ursache ist eine politische.
Politische Fragen sind solche, bei denen es keine Antwort im Sinne von richtig oder falsch gibt. Bei politischen Fragen gibt es nur ein Werturteil, eine Entscheidung, die einer der Möglichkeiten den Vorrang einräumt.
 
Eine der immer wiederkehrenden Frage die Star Trek aufwirft ist die Frage Individuum vs. Gemeinschaft. Beispielsweise die gesamte Voyager-Serie (mit den Borg als Gegenspielern) dreht sich um diese Frage.
Und die Kernaussage, die Roddenberry trifft ist klar: Dem Einzelnen wird Vorrang gegenüber der Gemeinschaft eingeräumt.

In „Der Zorn des Kahns“ opfert sich Spock zur Rettung der Enterprise und begründet sein Handeln logisch mit „das Wohl des Einzelnen wiegt weniger schwer als das von vielen“.

Aber bereits im nächsten Film „Auf der Suche nach Mr. Spock“ gibt es seine Rettung. Dafür muss die Enterprise als Symbol der Gemeinschaft in Flammen aufgehen und Kirk dreht die Aussage von Spock um. Das Wohl des Einzelnen wiegt oft schwerer als das von vielen.

Und genau diese Aussage ist auch die Position der Piraten. Basisdemokratie ist nämlich nicht ein Dogma, sondern die Konsequenz aus der Forderung, dass die Rechte des Einzelnen so weit wie möglich gewahrt werden müssen. Auch die Forderung nach Transparenz findet ihre Wurzeln in dieser Grundhaltung.

Natürlich wäre es für die Piraten Partei besser, wenn manche Dinge nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken würden, und selbstverständlich würden wir in der Öffentlichkeit ein gefälligeres Bild abgeben, wenn wir unsere Mitglieder zur Raison bringen und einheitlich auftreten würden.

Aber die Piraten halten es mit Captain Kirk und sind bereit den Preis dafür zu zahlen.
Wir halten es mit Kirk und Picard im Sinne des nachfolgenden Dialoges.

Dougherty: Nur 600 Menschen leben da unten. Wenn wir die metaphasischen Strahlen dieses Planeten nützen könnten, wäre das eine Hilfe für Milliarden.
Picard: Wie viele Menschen sind nötig, Admiral, bevor aus Recht Unrecht wird? Hm? Tausend? Fünfzigtausend? Eine Million? … Wie viele Menschen sind nötig, Admiral?

Autor: Wolfgang S.
Bildquelle: wikicommons/ wikipedia

Montag, 21. Januar 2013

Zerrbilder der Realität

Ja, ich weiß - die Presse ist derzeit voll von Negativschlagzeilen aufgrund der ersten richtigen Wahlschlappe der deutschen Piraten. Aber mich nervt das ungemein, daß die deutschsprachigen Medien die Piraten wegen eines 2%-Ergebnisses darstellen, als müßte man sie nun künstlich beatmen um sie noch am Leben zu erhalten.
Noch mehr nervt mich, daß das mediale Gesuder rund um die deutschen Piraten nun auf Österreich überzugreifen scheint. Ja, himmelherrgottsakra - wenn die CDU in Deutschland Stimmenverluste oder anderweitigen Ärger zu verbuchen hat, dann zeigt auch nicht jeder gleich mit dem Zeigefinger auf die ÖVP.

Und noch etwas scheint den Medien völlig zu entgehen: die Piraten sind eine Bewegung, die inzwischen in etwa 50 Ländern der Welt und auf allen Kontinenten existiert. Das soll uns mal jemand nachmachen!
--> Pirate Parties International

Laufend gewinnen Piraten Mandate hinzu, sowohl auf kommunaler, regionaler, als auch nationaler Ebene. Selbst im Europaparlament sind wir vertreten. Und dann wird da so ein Bahöö wegen den 2% in Niedersachsen gemacht, das entzieht sich meinem Verständnis und macht mich ärgerlich.

Autorin: Irene Labner




Samstag, 3. November 2012

Der Ur-Pirat

Ein in Europa eher unbekannter Urvater der Piratenbewegung ist John Perry Barlow.
Barlow, Jahrgang 1947, ist ein ehemaliger US-Viehzüchter und war Songtexter der Band "Grateful Dead". Er ist ein Internetpionier, dessen Augenmerk vor allem auf der Open-Source-Kultur ruht.

1996 verkündete Barlow auf dem Gipfeltreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos seine "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace", ein umstrittenes Pamphlet, das eine Vision einer besseren, vergeistigten Welt im Cyberspace zeichnet. Barlows Engagement richtet sich gegen Internetzensur und für ein freies Internet, in dem ethnische Herkunft, sowie materielle oder militärische Macht keine Rolle spielen.
John Perry Barlow und Mitchell Kapor gründeten im Jahr 1990 die Electronic Frontier Foundation (EFF), die mediale Selbstbestimmung und Bürgerrechte im Internet wahren möchte. Bis 2007 konzentrierte sich die EFF mit ihren Forderungen und ihren Tätigkeiten primär auf Nordamerika, jedoch gibt es seit 5 Jahren nun auch ein Büro in Brüssel, wo die Organisation gegen Internetzensur und Überwachung kämpft, sowie die Themen Software-Patente, Urheberrechte und Online-Tauschbörsen behandelt.

Barlow´s Vision eines friedlichen und gerechten Miteinander im Cyberspace fußt auf einer Ethik der "Goldenen Regel"  - diese besagt schlicht und einfach:
„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

Die Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace wirkt beim ersten Lesen etwas verstaubt, da der Autor seine Wortwahl etwas an den Text der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung angepaßt hatte. Barlow erntete dafür viel Kritik und gab Jahre später auch zu, daß er vieles heute etwas nüchterner betrachten würde. Dennoch wurde das Schriftstück viele zigtausend Male im Internet veröffentlicht und es hat viele Anhänger gefunden.

Das Internet ist erstmals ein Raum, der keine Staatsgrenzen, keine Reichtümer und weder Rasse, noch Herkunft seiner Benützer kennt - diese Freiheit, die das Internet ermöglicht, darf nicht durch staatliche Zensur und Überwachung eingeschränkt werden. In Zeiten von Acta, Ceta, Indect und Vorratsdatenspeicherung ist das Thema der Netzneutralität und des Datenschutzes für alle Bürger brisanter denn je, daher ist Barlows Grundsteinlegung in Sachen Netzfreiheit von immenser Bedeutung. Die Piratenbewegung hat viele von Barlows Forderungen übernommen und kämpft für eine Lockerung der Urheberrechte, für Datenschutz im Internet, für Netzneutralität und gegen Internetzensur. Es darf nicht sein, daß jeder, der sich einmal ein paar Songs aus dem Internet rauskopiert gleich kriminalisiert wird. Wir wollen auch keinen Big Brother, der unsere Internetkommunikation überwacht und zensuriert wie z.B. in China.

Hier gibt´s den Volltext der "Unabhängigheitserklärung des Cyberspace" auf Deutsch: 
http://www.heise.de/tp/artikel/1/1028/1.html

Autorin: Irene L.
Bild: wikipedia


Samstag, 6. Oktober 2012

Blick aus dem Krähennest: Piraten weltweit

Fritz Plasser, der bekannte Politiologe, sagte im vergangenen Club 2 treffend, aber auch bewußt provokant, daß Österreich eine Boulevarddemokratie ist. Nirgends in Europa haben über Boulevardblätter verbreitete Inhalte soviel Einfluß auf die Politik wie hierzulande. Umgekehrt vergibt die Politik aber auch horrend hoch dotierte Werbeaufträge an die Medien, insbesondere an die Boulevardpresse, die bundesweit sehr hohe Auflagenzahlen verzeichnet - damit hält man sich die Presse gewogen. Genau aus diesem Grunde ist ja auch die derzeit diskutierte "Inseratenaffäre" so brisant.

In Österreich gilt: Bist du nicht in den Medien, so existierst du nicht.
Neulich meinte einer meiner Bekannten, daß es die Piraten in Deutschland ja nun wohl auch nicht mehr gibt, und auch hierzulande würden sie vermutlich auch nur gescheit reden, aber nichts tun, weil sonst würde man ja mehr von ihnen hören oder lesen.
Das war ein Schlag in die Magengrube. Ich fragte ihn verwundert, wie er denn darauf kommt, daß es die deutschen Piraten nicht mehr gäbe? Etwa nur, weil in österreichischen Kasblattln nicht mehr über sie berichtet wird?

Die PPD ist immerhin eine Partei mit ca. 35.000 Mitgliedern. In 4 deutschen Bundesländern hat die Partei bereits Wahlergebnisse zwischen 7,4 und 8,9 % erreicht und stellt dort zwischen 4 und 15 Mandatare.
Naja, zugegebenermaßen mußte ich einräumen, daß es in Österreich bisher leider erst einmal gelang einen Mandatar in einem Gemeinerat zu senden, als die Piraten Partei Tirol im April 2012 immerhin 3,8% in Innsbruck erreichen konnte. Und genau jener Mandatar (Alexander Ofer) legte nach der Wahl ein dermaßen unpiratiges Gebahren an den Tag, daß wir uns von ihm trennen mußten. Heute distanziert Ofer sich inzwischen sogar von der Basisdemokratie, einem Grundideal der Piraten. Nichtsdestotrotz ist die Piratenbewegung in Österreich so lebendig wie noch nie, v.a. seit die Piraten Partei Tirol und die Piraten Partei Österreichs nun wieder Seite an Seite segeln, und durch das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder emsig an ihrem Programm für bevorstehende Wahlen arbeiten..

Laut dem aktuellen Stand, der von der Piraten Partei International (PPI) aktualisiert und kolportiert wird, gibt es derzeit 2 Piraten im Europäischen Parlament, 45 Piraten auf Bundesländerebene und ca. 200 Piraten auf der Lokalebene. Eigentlich kein schlechtes Fazit für eine Bewegung , die heuer erst ihren 6.Geburtstag feiert.
In der Schweiz, in der Ortschaft Eichberg, wurde im September 2012 erstmals sogar ein Pirat Bürgermeister und auch in Winterthur verzeichnet die Piratenpartei ein Mandat.
Überall in Europa gelangen Piraten in diverse Gremien. Nicht selten kandidieren sie auf den Listen anderer, themenverwandter Parteien und erreichen auf diesem Wege ein Mandat.
Der tunesische Pirat und Blogger Slim Amamou wurde sogar zum Staatssekretär (für Jugend und Sport) der tunesischen Übergangsregierung ernannt. Allerdings legte er seinen Posten im Mai 2011 zurück.
Wie man sieht, die Piraten sind durchaus präsent, auch wenn die österreichische Presse - mit Ausnahme der Onlineversion der Zeitung Standard - sie weitgehend totschweigt.
Es gibt derzeit 16 offiziell anerkannte Piratenparteien und zudem 24 in der Gründungsphase befindliche Piratenparteien, d.h. in mindestens 40 Ländern der Welt gibt es mindestens eine aktive Piratengruppierung.
In Asien gibt es leider noch viele blinde Flecken auf der Piratenlandkarte, und in Nordamerika scheint es offenbar schwieriger für Piratenparteien offiziellen Status zu erreichen als etwa in Russland, wo die Piraten nun nach 3 Jahren heuer endlich ihren Parteistatus durchgesetzt haben. In den USA ist die Piratenpartei erst in zwei Bundesstaaten offiziell anerkannt, nämlich in Florida und Massachusetts.
Dennoch: die Piratenbewegung wächst ungebrochen und dank des Internets kann man sie auch nicht mehr totschweigen.

Autorin: Irene L.
Bildquelle: PPI-Logo, wikipedia

Dienstag, 18. September 2012

Von Plagiaten und Hobbyseglern...

 Die Piraten sind offensichtlich ein zugkräftiges Label geworden. Es scheint, daß wir offensichtlich richtig gut sind, denn wir Piraten finden überregional bereits viele Nachahmer.
Eine Kopie ist dennoch nur eine Kopie und niemals das Original. Auch der Inhalt der Plagiate bestätigt, daß man es nur mit einer Mogelpackung zu tun hat, denn das Original ist einfach zu erkennen:

Piraten, das Original - wo Basisdemokratie draufsteht, da ist auch Basisdemokratie drinnen!

In Graz gibt es seit kurzem die "Black Pirates", die "Copy- and Paste-Klabautermänner" der ÖVP.






Am lustigsten ist ja ihre Selbstbeschreibung: > > Wir sind ein lebendiger Organismus, der sich immer wieder erneuert, mit dem Fluss der Zeit fließt, aber ebenso gerne auch gegen den Strom schwimmt.

Geht´s vielleicht noch kitschiger? Weniger kitschig und auch gar nicht amüsant ist, daß die Schwarzen Piraten mindestens 16 Domains gegrabbt haben, die im Wortlaut "Graz" und "Piraten" tragen - hier stellt sich die Frage, ob nicht womöglich Parteienförderungen (immerhin sind das Steuergelder!) für diese irreführende ÖVP-Piratenkiste verwendet wurden. Fakt ist jedenfalls: angesichts der vielen Korruptionsfälle, in welche ÖVP-Politiker verwickelt waren und sind, da könnte man fast annehmen, daß sich die Black Pirates weniger an der Internationalen Piratenbewegung orientieren, sondern vielmehr an jenen Seeräubern am Horn von Afrika. Und mal ehrlich: können Sie, lieber Leser, sich vorstellen, daß bei den Black Pirates tatsächlich Basisdemokratie drinnen steckt...bei einer ÖVP-Gruppierung? Haben wir es hier mit Wählertäuschung zu tun? Schwarze Takelage bringt aber ohnehin Unglück...

Leider sind aber auch die Tiroler Piraten der PPT nicht vor Plagiatoren und Kopierern sicher.
Gemeinderat Ofer hat seiner neuen Gruppierung ja den Namen "Inn Piraten" verliehen, doch weshalb überhaupt? Das ergibt ja keinen Sinn, den Wählern vorzugaukeln, man wäre eine Piratenpartei in der Tradition der Internationalen Piratenbewegung, wenn man so wie Ofer konstatiert, daß man Schluss mit „dem basisdemokratischen Geplänkel“ macht...
Aber nicht nur Ofer, sondern auch die Grünen liebäugeln mit dem Piratenlabel - im Innsbrucker Gemeinderatswahlkampf 2012 meinten sie ja auch, sie wären ja eigentlich die wahren Piraten (vermutlich, weil sie immer so brav bloggen und das ist ja "Netzpolitik"). Nach dem 3,8%-Wahlerfolg der Piraten in Innsbruck da hatte Peter Pilz sogar die Idee, sich die Piraten doch überhaupt gleich einzuverleiben und sie auf grünen Wahllisten kandidieren zu lassen.

Rick Falkvinge, der Gründer der Piraten, sagt im Interview mit dem Falter (Ausgabe 37/12) auf die Frage, ob die Piratenbewegung wohl keine Eintagsfliege sei:
Das ist wie bei den Grünen. Da gibt es zwei Szenarien: Wenn die Parteien unsere Bewegung weiterhin ignorieren, weiterhin schmähen, werden wir weiterwachsen und in Europa und Lateinamerika politische Mandate hinzugewinnen. Oder die Parteien werden unsere Plattformen absorbieren. In beiden Fällen gewinnen wir. Entweder sitzen wir im Parlament oder unsere Perspektive fließt dort ein.
Falkvinge spricht hier aus, was wir alle seit den Erfolgen der Piraten bemerken: Direkte Demokratie ist  in aller Munde.
Nur gute Produkte werden kopiert. Es ist schön, daß auch andere Fraktionen die Direkte Demokratie fördern möchten, aber dazu muß man sich doch nicht das Piratenmäntelchen umhängen. Gerade der ÖVP steht diese Verkleidung nämlich gar nicht...
Wenn das so weitergeht, dann wird der Wahlzettel für die Landtagswahl in Tirol 2013 wohl so aussehen:



































Autorin: Irene Labner
Bildquellen: H.Danzinger per Twitter; Armin Wolf per Twitter, Bernd Lunzen per Facebook

Donnerstag, 9. August 2012

Blick aus dem Krähennest: Piratenpartei Kroatien

Während ihr, liebe Leser, diesen Artikel lest, verweilt dessen Autorin bereits mit einem Buch in Händen am Strand. Da ich nun voll im Reisefieber bin, dachte ich mir, ich sehe mir mal an, wie sich die Piraten in meinem Urlaubland organisieren. "Der Blick aus dem Krähennest" ist der Startschuß einer Serie von Artikeln, die ich noch schreiben möchte, wo ich Piratenparteien rund um den Globus vorstellen möchte.
Bei den Recherchen zum ersten "Krähennest-Artikel" stieß ich auf eine Flaschenpost der deutschen Piraten, die der kroatischen Piratenpartei ein Vorstellungsinterview widmen. Interessant dabei ist, daß die kroatischen Piraten sich auch eines Themas annehmen (müssen), das für uns Österreicher eigentlich so gut wie kein Problem mehr darstellt:
Dass es in Kroatien immer noch Gegenden mit schlechtem oder ohne Breitbandzugang gibt, muss ebenso in Angriff genommen werden wie die Frage nach flächendeckendem kostenlosen WiFi-Zugang.
Auch organisatorisch setzen die Kollegen aus Kroatien Schwerpunkte, die sicherlich wichtig sind um eine starke, selbstsichere und möglichst unkompliziert arbeitende Basis zu erhalten:

Wir planen, eine dezentrale Struktur zu implementieren, die auf starken lokalen Gliederungen basiert und aus Mitgliedern besteht, die vor Ort sinnvolle Arbeit machen können. 

Gegründet wurde die Piratenpartei Kroatien offiziell am 13.April 2012. Leider bin ich der kroatischen Sprache nicht mächtig, aber mittels Google-Übersetzung kann man zumindest einen ersten Eindruck gewinnen: Piratenpartei Kroatien 

Was Google-Übersetzungen anbelangt, so gibts noch einige "Zuckerln", die ich teilweise witzig, teilweise recht bedenklich finde, wenn ich z.B. fremdsprachige Piratenseiten übersetze. Manchmal habe ich das Gefühl, daß die Piratenparteien auf dem Globus sich trotz aller Gemeinsamkeiten doch auch gravierend unterscheiden. Auch ist die "Bildersprache" nicht bei allen Piratenparteien auf dem Erdball diesselbe.
Das herauszuarbeiten, werde ich künftig versuchen, wenn ich mich auf meine virtuelle Rundreise vom Krähennest aus begebe...

Eure Irene