Montag, 20. August 2012

Stronach in aller Munde...ein fader Beigeschmack

Die Legende vom heiligen Strohsack verkündete schon viele von dessen Wundertätigkeiten, noch bevor sich sein Namensvetter entschloß in die Politik zu gehen. Wundertaten erhoffen sich nun viele Österreicher auch von Franz Strohsack aka Frank Stronach, der nun mit seinen 80 Jahren Österreichs Politik aus dem Dreck ziehen möchte. Und Dreck gibt es in Österreichs Korruptionssümpfen wahrlich genug...

Zugegeben: Stronachs Programm greift viele Punkte auf, die einem großen Teil der Wähler bisher schwer im Magen lagen und die zweifelsohne reformiert werden müssen. Er möchte den Lebensstandard verbessern, er fordert einen Schuldenstopp, eine schlankere Verwaltung und ein vereinfachtes Steuersystem, usw.

Interessant finde ich allerdings folgende Aussage:
Es gibt viele weitere äusserst reformbedürftige Themen in unserem Land, wie zum Beispiel das Gesundheitswesen, das Pensionssystem, das Bildungswesen, die Sicherheit, Einwanderung etc. Für diese Themen müssen unbedingt die Bürger miteinbezogen werden, es müssen Lösungen ausserhalb der Parteipolitik gefunden werden http://www.stronachinstitut.at/dafur-stehen-wir
Stronach sucht Lösungen außerhalb der Parteipolitik, gründet nun aber flugs eine eigene Liste bzw. Partei für die Nationalratswahl 2013. Merkwürdig.

Stronach hat im übrigen dasselbe Problem, das auch andere neue Parteien haben:
Neue Parteien sind Opportunistenmagneten.
Immer wieder sind Jungparteien nicht nur Anlaufstelle für Idealisten und politikinteressierte Politikverdrossene, die sich denken: "Was die da oben können, das kann ich auch." - leider ziehen sie auch Opportunisten an, wie das Licht die Motten. Es gibt einzelne Menschen, die sich durch Teilnahme in einer jungen, aufstrebenden Partei einen Schnellzug in gutbezahlte Positionen erhoffen.
"Opportunisten sind die besten Meteorologen.
Sie wissen schon vorher, von wo der Wind weht."

© Dr. Fritz P. Rinnhofer, (*1939)
Auch bei den Piraten gibt es selten, aber doch, Opportunisten. Einige davon halten sich sogar überraschend lange, wenn sie verstehen, wie die Piraten ticken. Allerdings ist die Piratenbasis gnadenlos, sobald jemand durch egozentrisches und autoritäres Handeln negativ auffällt. Dann ist nicht einmal ein frischgewählter Piraten-Gemeinderat vor einem Sturz vom Thron sicher.

Stronach umschifft dieses Problem elegant, indem er sich genau diese opportunistenmagnetische Eigenschaft einer Jungpartei zunutze macht. Statt unnötig Zeit zu verschwenden um Politik-Neueinsteiger, quasi "unbeschriebene Blätter", fit fürs politische Parkett zu machen, geht Stronach lieber auf Politiker-Shopping.
Angesichts der derzeitigen Korruptionsskandale, z.B. in Kärntnen, gibt es Profipolitiker derzeit im Sonderangebot...und das auch noch in allen Farben und bereits in politischen Ämtern aktiv.
Blau, Orange, Rot, Schwarz...vielleicht auch bald dasselbe in Grün...Stronach winkt (mit seinem Geld) und sie kommen, denn: Wer will schon gern ein B- oder C-Politiker einer korruptionsangepatzten Partei bleiben, wenn er bei Stronach ums selbe oder gar mehr Geld ins Rampenlicht vorrücken kann?
Im Prinzip geht Stronach hier genau so an die Sache ran, wie er es mit seinen Rennpferden und Jockeys macht - seine neue Politgruppierung ist das Rennpferd, das er an den Start schickt, die Politiker stellen seine Auswahl an Jockeys dar...und er sucht sich nun die Tauglichsten für sein Geld heraus. Letztlich gilt es aber nicht den Marktwert der Jockeys zu steigern, sondern den des Rennpferdes. Ob die Jockeys das auch wissen?

Das schöne ist: einige der neuen Stronachpolitiker bringen ihre politischen Ämter schon mit, so wie etwa der Nationalratsabgeordnete und Spittaler Bürgermeister Gerhard Köfer. Der SP-Politiker trat nun aus der SPÖ aus um Stronach zu unterstützen, seine Ämter behält er deswegen ja trotzdem. Doppelt praktisch - denn mit der Unterstützung eines Nationalratsabgeordneten spart man sich einiges an sonstigen, bundesweit zu sammelnden Unterstützungserklärungen von Max Mustermann und Maxi Musterfrau.

Etwas bedenklich ist das nun schon, denn die Wähler, die einem bestimmten Politiker in ein Amt verholfen haben, müssen nun zusehen, wie dieser aus der Partei abspringt und zu einer anderen Partei überläuft.
Wenn ein Abgeordneter aus Gewissensgründen überläuft, weil er etwa die Zustimmung seiner Stammpartei zum ESM ablehnt, was ja eine gewichtige Sache ist, so könnte man das ja noch verstehen - im Fall Köfers ist das allerdings fragwürdig, denn er scheint im Nationalrat als Unterstützer des ESM auf. Den ESM wiederum lehnt Stronach kategorisch ab...ja wie nun? Wer soll das nun verstehen? Vermutlich muß Köfer sonst so ein Kapazunder sein, aber wer weiß das schon so genau...vielleicht interessiert Stronach ja primär auch nur, daß dieser über einen Sitz im Nationalrat verfügt.

Stronach, der Rennpferd-Investor, sagt:
“Magna didn’t invest in racetracks because I love horses,” (*)

 Man könnte sich nun fragen: Wieso investiert Stronach in Politik - liegt sie ihm denn so am Herzen? Er investiert ja auch nicht in den Pferderennsport, weil er Pferde liebt...

Die Piratenkassen hingegen sind Hungerleider...aber angesichts der vielen Opportunisten, die im politischen Meer segeln, finde ich das gerade gar nicht so schlimm.  Umso mehr wiegt das ehrenamtliche Engagement und der Idealismus der aktiven Piraten - ein Dankeschön dafür an dieser Stelle! Wir werden unser Schiff schon schaukeln auch ohne das Budget eines Stronachs, denn auch langsamere Pferde kommen einmal durchs Ziel.

Eine Sache frage ich mich allerdings:
Stronach ist 80 Jahre alt, und er stellt mit seiner erfolgreichen Vita und seinem Vermögen die Frontfigur seiner Wahlliste dar. Die Wähler, die seine Liste wählen, tun dies primär seiner Person und seiner Ideen wegen, doch was passiert, wenn Stronach eines Tages nicht mehr fit genug für die Politik ist oder ihrer überdrüssig wird? Aber vielleicht wird er ja auch 120 Jahre alt, dann irre ich mich freilich, wenn ich sage: weshalb Altmänner-Politik für die Zukunft machen?



Autorin: Irene Labner
Bildquelle, (*): http://www.internationalhorseracingdigest.com/stories/stronach

Kommentare:

  1. stronach finanziert den JNF Toronto.
    er will die wüste negev begrünen, hier ein kleines propagandavideo das den edlen spender huldigen soll:
    http://www.youtube.com/watch?v=DTrsh458o2E&feature=plcp

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  2. Franky ist eine Gefahr für die etablierten Parteien, nicht für die Piraten, da gibt es zu wenig Schnittmenge bei den Sympatisanten.
    Er müßte sich das alles ja nicht mehr "antun" und hat wohl Gründe abseits des Rationalen. Abgeordnete sind eigentlich nur ihrem Gewissen verpflichtet, es gibt das höchstpersönliche Mandat, deshalb kann er es überallhin "mitnehmen". Nur in unserer Wahrnehmung sind "wilde Abgeordnete" ungewöhnlich, da wir an Parteidisziplin und entsprechendes Abstimmungsverhalten gewöhnt sind (oder wurden).

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