Mittwoch, 27. März 2013

Die TKI-Kiste und ein wandernder Gebi

Heute war ich bei Radio Freirad zu Gast und im Laufe des Gesprächs kamen meine Gastgeber auf das Thema TKI zu sprechen. Sie fragten mich, ob mir die TKI etwas sagte und ich mußte verneinen, denn im ersten Augenblick hatte ich dazu erstmal gar keinen Anhaltspunkt. Sie erläuterten mir dann, daß vor etwa zwei Jahren die Fachjury der TKI (Tiroler Kulturinitiativen) eine Auswahl an förderungswürdigen Projekten präsentierte, daß jedoch die Kulturlandesrätin Frau Dr. Palfrader zwei Projekten letztlich die Unterstützung verwehrte.

Die ganze Sache hat mir nun keine Ruhe gelassen und nun habe ich mich an meinen Laptop gesetzt und angefangen meine Unzahl an Links durchzustöbern...irgendwas war da doch.
Oft finde ich bei meinen Recherchen im Internet interessante Links, die ich mir dann in die Lesezeichen schiebe um sie später einmal für einen Artikel wieder aufzugreifen. Ich wurde tatsächlich fündig und fand den Link wieder, der mir da noch im Hinterkopf herumspukte: TKI - Oliver Ressler: "Tiroler Weg am Ende"

Ist ja ein irrer Zufall, wie aktuell doch das Thema ist, das der Künstler damals bearbeitete: "Wahlen sind Betrug" . Im Hinblick auf die Landtagswahl gewinnt dieses Kunstprojekt unglaublich an Brisanz, wie ich meine. Ressler beschreibt sein Werk selbst folgendermassen:
Der Slogan "Wahlen sind Betrug" ("Elections piège à cons") wurde im Mai 1968 in Paris geprägt. Die deutsche Fassung dieses Slogans, der in einer spezifischen historischen Konstellation geprägt wurde, wird nun über eine Fotografie gesetzt, die Tiroler Alpen zeigt. Vergleichbare Bilder tauchen immer wieder im Hintergrund von Plakaten wahlwerbender Parteien in Österreich auf. In der Plakatserie "Wahlen sind Betrug" fehlen allerdings die üblichen PolitikerInnenporträts und bilden eine Leerstelle. Anstelle sinnentleerter Wahlwerbung ist die nüchterne Aussage "Wahlen sind Betrug" zu lesen.

Wie kommt es, daß eine Fachjury von einer Politikerin einfach ausgehebelt wird? Könnte es vielleicht sein, daß die ÖVP keine Kritik duldet und dafür auch bereit ist, die künstlerische Freiheit zu beschneiden?

Zitat aus obigem Link:
Die die Tiroler Landesregierung stellende ÖVP ignoriert also nicht nur aus politischen Gründen einen Juryentscheid, sondern missbraucht meine künstlerische Arbeit auch noch im Innsbrucker Gemeinderatswahlkampf. Damit war das Fass voll und eine Klage gegen die Tiroler Landespartei wurde eingebracht.

Am 16.07.2012 fand eine Verhandlung im Landesgericht Innsbruck statt, in der sich die Tiroler Volkspartei in einem gerichtlichen Vergleich verpflichtet hat, es zu unterlassen, das Plakat „Wahlen sind Betrug“ zu vervielfältigen oder zu bearbeiten, und alle in ihrer Verfügungsmacht stehenden bearbeiteten Versionen des Werks „Wahlen sind Betrug“ zu beseitigen. Die beklagte Partei (ÖVP) verpflichtet sich weiters, kreditschädigende Behauptungen, die sinngemäß den Vorwurf beinhalten, dass ich mich an Kultursubventionen „bedient“ habe oder dies versucht habe, zu unterlassen. Weiters erklärt die beklagte Partei ausdrücklich, dass sie dem Kläger mit dem im „Tiroler Weg 1.12“ veröffentlichten Bericht im Zusammenhang mit dem vom Kläger angefertigten Plakat „Wahlen sind Betrug“ kein unehrenhaftes oder rechtswidriges Verhalten unterstellen wollte.

Eine Veröffentlichung dieser Verpflichtungen im Tiroler Weg ist daran gescheitert, dass dieser eingestellt wurde.

Nicht nur Oliver Resslers Arbeit war der ÖVP offensichtlich zu heiß, sondern auch eine weitere Arbeit über den Umgang Tirols mit der NS-Vergangenheit, wurde von Kulturlandesrätin Dr. Palfrader abgelehnt.
Oliver Ressler schreibt:
Sie ist auch kein Einzelfall. Auch das in derselben Jurysitzung vom Fachbeirat des TKI open ausgewählte Projekt "Alpenländische Studien" von Tal Adler (eingereicht von ritesinstitute), ein künstlerisches Forschungsprojekt zum Umgang des Landes Tirol mit seiner NS-Vergangenheit, fand vor den gestrengen Augen der Tiroler Landesregierung keine Gnade und wurde mit demselben Wortlaut wie mein Projekt abgelehnt.

Damit stellt sich die Tiroler Landesregierung gegen die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Kunst und versucht zu bestimmen, was KünstlerInnen öffentlich zu sagen haben und was nicht. Für die Verhinderung politisch unliebsamer Arbeiten gibt es eine Bezeichnung: Zensur
So läuft das also mit der Kunst und der Kultur hier in Tirol...kritische Kunst ist offenbar nicht erwünscht und wird von Seiten schwarzer Kulturlandesrätinnen einfach nicht gefördert. Was mich auf den Punkt bringt, daß Politiker offenbar meinen, sie wüßten, welche Formen von Kunst und Kultur für uns Bürger einen Wert hat. Da die Kunstförderungen des Landes allerdings aus unseren Steuern finanziert werden, so finde ich es etwas eigentümlich, daß wir zwar für Kunst etwas zahlen dürfen, aber nur für vorgekaute, angepaßte Kunst. Das klingt wie vorverdautes Essen...ähm, entschuldigung, das ist wohl etwas krass formuliert, aber ich will nicht nur Kunst-mit-ÖVP-Flavour :-(
Wieso dürfen wir da nicht selbst mitentscheiden?

Ein eigentümliches Detail am Rande - gibt man in die Bildersuche von google die Schlagworte "alpenländische studien tal adler" ein, so findet man das ungefähr zigtausendste Foto vom wandernen Gebi. Hat der eigentlich schon eine goldene Wandernadel?
Uiuiui, google ist manchmal wirklich sehr merkwürdig...

Autorin: Irene Labner

Linktipps:  http://diesenreiter.at/tag/tki-open
http://derstandard.at/1326503124282/Kunstprojekt-fuer-das-Land-Tirol-falsch
http://www.provinnsbruck.at/content/land-tirol-zensur-statt-kultur
http://www.tki.at/tkiweb/tkiweb?page=ShowArticle&service=external&sp=l406
zum Projekt von Tal Adler:  http://www.ritesinstitute.org/IsraelestiN/2008/10/kuratorenstatement-tal-adler/?lang=de
http://cba.fro.at/66336
http://www.uibk.ac.at/zeitgeschichte/aktuelles/baeckerei_invitation_25.9.final.pdf




Kommentare:

  1. Die herkömmlichen Wahlen sind wirklich Betrug! Da wird vorgegaukelt, dass die Wählerin die Politik beeinflussen könne. In Wirklichkeit kann die Wählerin nur auswählen, wem sie ihre Stimme gibt. Was dann die gewählte Person dann anstellt, darüber hat die Wählerin wenig Einfluss. Sie muss warten bis zur nächsten Wahl und kann dann einen anderen Kandidaten wählen. Dieses Prinzip hat wenig mit wirklicher Demokratie zu tun!

    AntwortenLöschen
  2. Nächstes Jahr gibt es in Schottland und Katalonien Abstimmungen über die Unabhängigkeit. Dann rückt auch die Loslösung Südtirols von Italien näher. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

    AntwortenLöschen