Posts mit dem Label Tierschutz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tierschutz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 6. August 2014

It´s jungle out there...oder: Das Sommerloch der Tiroler Tageszeitung

Was macht der Platzhirsch unter den Tiroler Tageszeitungen, wenn das Sommerloch keine Aufreger für den Lokalteil mehr bereit hält?
Man streut diffuse Ängste und suggeriert, daß Tirol ein Dschungel ist, wo es nur so an gefährlichen, unberechenbaren Kriech- und Krabbeltieren wuselt.
Unlängst hat ein verantwortungsloser Tierhalter zwei junge Boa constrictor in Innsbruck am Innufer ausgesetzt - die Tiere wurden schließlich dem Tierschutz übergeben.
Infolge dieses Vorfalles folgte nun schon der zweite Bericht innerhalb weniger Wochen zu dem Thema Exotenhaltung in Tirol. Es wird darin berichtet, daß doch viele der Halter mit der Haltung ihrer Tiere, inbesondere der Reptilien, überfordert seien und die Abgaben daher ansteigen.

Alles in allem entsteht der Eindruck, daß hier ein großes Problem vorliegen würde - das sehe ich als solches nicht, zumal gerade der Fachhandel immer mehr an Aufklärungsarbeit zu leisten versucht.
Vor etwa 5 Jahren hat die Terraristikbranche ihren Höhepunkt erreicht, seither schrumpft dieses Segment der Zoohandelsbranche kontinuierlich.
Ein renommierter Zoohändler dazu auf einer Fachmesse vor 2 Jahren:
Ein Schwerpunkt des Kongresses war aber nicht nur Qualität der Produkte, sondern auch der lebenden Tiere im Zoofachhandel. Unter dem Titel "Die Terraristik: Verramschte Chance oder Markt mit Zukunft" rückte Jürgen Hoch, Geschäftsführer Import-Export Peter Hoch, die derzeit rückläufigen Absatzzahlen von Bartagame, Natter und Co. in den Fokus.
Seine Forderung: Die Terraristik müsse weg vom Billig-Image. Qualitätsmanagement sei genauso wichtig wie Selbstbewusstsein beim Preis. Außerdem sollten Reptilien, Schlangen und Insekten deutlicher als Heimtiere kommuniziert werden: "Terrarientiere können ebenso artgerecht gehalten werden wie Kleinsäuger", sagte er. 
Immer mehr tierschutzengagierte Leute, insbesondere jene ohne eigene praktische Erfahrung mit Exoten, fordern Exotenhaltungsverbote. Es erscheint, als ob hier das Phänomen des Zweiklassentierschutzes vorliegt, denn es wird offenbar komplett unter den Teppich gekehrt, daß die Anzahl an abgegebenen Hunden, Katzen oder Nagern ein Vielfaches dessen beträgt als die Anzahl an abgegebenen Exoten.
Streicheltiere wie Hunde, Katzen und Nager sind es, die unsere Tierheime überquellen lassen, nicht eine Handvoll an Reptilien, die beim Tierschutz abgegeben werden.

Es gibt inzwischen verschiedene Initiativen im deutschsprachigen Raum, die sich gegen eine Diskriminierung der Exotenhaltung aussprechen - in Österreich versucht beispielsweise die Gesellschaft für Herpetologie durch Aufklärungsarbeit die derzeit medial aufgeputschte Angst der Menschen vor Reptilien und Amphibien einzubremsen. Darüber hinaus leisten Vereine wie diese auch eine Menge an wertvoller Nachzuchtarbeit für internationale Arterhaltungsprogramme.
Das österreichische Tierschutzgesetz ist eine der fortschrittlichsten Verordnungen in Sachen Tierschutz weltweit. Es bedarf sicherlich keiner Haltungsverbote für Exoten, wenn künftig weiterhin gute Aufklärungsarbeit geleistet wird und für gefährliche Arten Genehmigungspflicht eingeführt wird.
Die meisten Arten sind allerdings völlig harmlos und man darf getrost sagem, daß manche Terrarientiere (z.B. Bartagamen, Geckos, Nattern,...) wirklich geeignete Tiere für Menschen mit Allergien oder wenig Freizeit sind.

Von Tierschutzvereinen wünsche ich mir einen gelasseneren Umgang mit Exoten - die Tierheime sind voll mit Hunden, die aus Zeitgründen abgegeben wurden und Katzen, die man aus Allergiegründen nicht mehr haben möchte.
Und von den Medien wünsche ich mir, daß sie endlich aufhören Exoten (dazu zählen übrigens auch Wellensittiche und Meerschweinchen, wenn man es genau nimmt) auf furcheinflössende Schlangen und Spinnen zu reduzieren. Hier wird mit unterbewußten Ängsten gespielt und man stellt Terrarianer in ein schiefes Licht. Es ist kein Wunder, daß viele Exotenhalter sich gar nicht trauen ihre Tiere beim Veterinäramt zu melden, weil sie durch die negative mediale Berichterstattung fast schon in ein kriminelles Eck gedrängt werden, selbst wenn sie ihren Tieren optimale Haltungsbedingungen bieten.

Autorin: Irene L.

Freitag, 8. November 2013

Mitreden ist gefragt!


Herr Kuen hat schon Petitionen an den Tiroler Landtag übermittelt als dieser, entgegen der Situation in anderen Bundesländern, noch nicht einmal einen Petitionsausschuss hatte.
Inzwischen wurde im Tiroler Landtag ein Petitionsausschuss eingeführt und das ermöglicht es den Bürgern aktiv Ideen und Forderungen an die Landespolitik einzubringen.

Nun hat mich Herr Kuen informiert darüber, dass er erneut eine Petition eingebracht hat. Ich möchte daher meine Möglichkeiten nutzen um die Öffentlichkeit zu informieren, dass diese Petition derzeit läuft und es möglich ist, sie zu unterstützen.
Es geht darum, dass die nächstgelegene Bushaltestelle zum Tierheim Mentlberg leider etwas abseits vom Tierheim direkt gegenüber der Justizanstalt Innsbruck ("Ziegelstadel") situiert ist. Von dort aus muss jeder Tierheimbesucher zu Fuß an der stark befahrenen Landesstrasse entlang gehen, was sehr gefährlich ist. Es gibt leider keinen Gehsteig, der den Fußgängern etwas mehr Sicherheit geben könnte. Es kommt hinzu, dass im neuen Tierschutz-Café des Tierheimes nun gelegentlich auch Veranstaltungen angeboten werden, was die Besucherfrequenz des Tierheimes nun erhöht und daher besteht dringender Handlungsbedarf.
Aus diesem Grund regt Herr Kuen in seiner Petition an, daß das Land - in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Völs und Innsbruck - eine Lösung für dieses Problem erarbeiten sollte. Ich finde das gut.

Wer die Petition unterstützen möchte, der findet diese hier: https://portal.tirol.gv.at/LteWeb/public/ggs/petition/petitionDetails.xhtml?cid=419&id=30
Ich hoffe, Herrn Kuens Vorschlag findet viele Unterstützer.

Autorin: Irene Labner


Mittwoch, 3. Oktober 2012

Meerschweinchentetris

Der morgige Welttierschutztag bringt mich auch heuer wieder etwas ins Grübeln.
Österreich hat eines der besten und fortschrittlichsten Tierschutzgesetze Europas (wenn nicht gar der Welt).
Bereits der erste Absatz des österreichischen Tierschutzgesetzes besagt:
§ 1. Ziel dieses Bundesgesetzes ist der Schutz des Lebens und des Wohlbefindens der Tiere aus der besonderen Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf.
Damit stellt das Gesetz klar, daß Tiere eine Art von Gefühlsleben (sich wohlbefinden) besitzen und somit über einen Status als reines Objekt bzw. als Ware erhaben sind. Auch der §285a des Allgemein Bürgerlichen Gesetzbuches hält fest: Tiere sind keine Sachen; sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Die für Sachen geltenden Vorschriften sind auf Tiere nur insoweit anzuwenden, als keine abweichenden Regelungen bestehen. 

Das Tierschutzgesetz ist nun schon einige Jahre alt und inzwischen müßte man es dringend noch einmal auf seine Praxisnähe überprüfen.
So ist es beispielsweise so, daß Zoohändler für einen Zeitraum von bis zu 3 Monaten Tiere in beengteren Verhältnissen einquartieren dürfen als z.B der Privathalter. Das betrifft Säugetiere und Vögel, interessanterweise jedoch nicht die Fische, denn diese müßten diesselben Haltungsbedingungen bekommen wie beim Privathalter und somit auch größere Aquarien als im Handel üblich sind.
Reptilien und Amphibien dürfen, sofern es sich nicht um Wildfänge handelt, bis zu einem halben Jahr in kleineren Terrarien untergebracht werden. Dabei ist es in der Praxis genau umgekehrt - für einen Zoohändler ist es meist einfacher Säugetieren, Reptilien, Amphibien und Vögeln den Platz zuzugestehen, den sie auch beim Privathalter haben müssen - dafür ist es fast unmöglich als Zoohändler Fische in Aquarien unterzubringen, die mit den Anforderungen an Private mithalten können.

Es ist beispielsweise so, daß das Tierschutzgesetz die Haltung von Koi-Karpfen in Aquarien untersagt, nun fragt sich aber jeder Zoohändler wie er denn nun diese Teichfische für den Verkauf präsentieren soll, wenn er sie nicht vorübergehend in Aquarien bzw. Wassertanks setzen darf.
Es ist vorgeschrieben, daß sich die Mindesthaltungsanforderungen für Fische nach ihrer zu erreichenden Endgröße richten, so wird z.B. für die Prachtschmerle eine Aquarienlänge von mindestens 150cm gefordert. Das ist auch gut so, denn die Tiere können nach mehreren Jahren etwa 25cm lang werden. In den Verkauf allerdings gelangen diese Tiere mit einer Größe von gerade mal 5cm...

Im Vergleich dazu gelten für die gewerbliche, kurzfristige Unterbringung von Meerschweinchen und Kaninchen Anforderungen, die selbst dem Zoohändler nur ein verständnisloses Kopfschütteln entlocken:
Auf einer Mindestgrundfläche von 0.5m² muß einem Meerschweinchen oder Kaninchen eine Fläche von 2mal Körperlänge x 1,5mal Körperlänge zustehen. --> jedes weitere Tier benötigt laut Vorgabe jedoch nur mehr eine Fläche von 0,5mal Körperlänge x 0,5mal Körperlänge.
Das bedeutet, der Händler muß einem 15cm langen Meerschwein eine Fläche von 30 x 22,5cm zugestehen, jedes weitere Meerschweinchen muß sich mit 7,5 x 7,5cm zufrieden geben...da müßte man die Tiere ja stapeln, sowas nennt man wohl Meerschweinchentetris.
Etwas skurril nicht war? Etwas mehr Praxisnähe wäre hier auf jeden Fall erforderlich.

Ebenso unsinnig gestaltet sich die Vorgabe für Vögel - Kleinpapageien dürften im Handel bereits in einem Käfig mit 0,2m² gehalten werden. Aber auch die Vorgabe für den Privathalter sind in dieser Hinsicht ein Tiefpunkt des Tierschutzgesetzes, denn so darf ein Wellensittich laut Tierhaltungsverordnung dauerhaft in einem Käfig von 80x40x60cm untergebracht werden - angesichts dessen, daß diese Tiere in großen Schwärmen täglich ungefähr 40 Kilometer weit fliegen, so muß man leider sagen, daß das österreichische Tierschutzgesetz hier offensichtlich versagt.

Für die Piratenparteien ist Tierschutz definitiv ein Thema, so beschäftigt sich bei den deutschen Piraten eine eigene Arbeitsgruppe Tierrecht mit Tierschutzoptimierungen. Auch in der Piratenpartei Österreichs wurden bereits Diskussionen und Anträge in Sachen Tierschutz ins Leben gerufen.
Mir persönlich liegt das Thema Tierschutz sehr am Herzen. Ich würde mir wünschen, daß das Tierschutzgesetz noch verbessert und vor allem praxisnäher wird.
Darüber hinaus wäre es wichtig, daß es auch wirklich exekutiert wird - es hilft nichts strenge Vorgaben für Tierhaltung, Tiertransporte usw. zu erstellen, aber dann nicht zu überprüfen, ob sie eingehalten werden.

Was sicherlich noch eingeführt werden sollte, das sind strengere Auflagen für die Haltung von ernsthaft giftigen Tieren und großen Reptilien. Es ist nicht einzusehen, daß Privathalter hierzulande keine Genehmigung dafür brauchen, wenn sie eine Riesenschlange erwerben, welche über 3 Meter Länge erreicht, denn ab dieser Größe ist so ein Tier absolut lebensgefährlich für größerere und vor allem kleinere Menschen.

Außerdem gefällt es mir nicht, daß viele Tierschutzvereine (die ja aus der öffentlichen Hand subventioniert werden) Zweiklassen-Tierschutz betreiben, was sich darin äußert, daß man zwar für jedes Haserl und Mauserl einen Platz im Tierheim findet, allerdings keine Exoten aufnimmt.
Reptilien und Amphibien sind jedoch zugegebenermassen geeignete Haustiere für Berufstätige und Tierhaarallergiker - wir werden uns also darauf einstellen müssen, daß diese Tiere künftig noch häufiger in Privathaushalten anzutreffen sind und durch ihre stärkere Verbreitung leider auch öfter in den Händen des Tierschutzes landen. Daher ist es nicht verständlich, daß z.B. das Tierheim Mentlberg nun dank öffentlicher Unterstützung ein neues Kleintierhaus baut, aber bis dato über keinerlei Möglichkeiten zur Unterbringung und Vermittlung von Exoten verfügt. Hier wäre es wünschenswert, daß der Tiroler Tierschutzverein aktiv wird und sich öffnet.

Autorin: Irene L.
Bildquelle: Zoidy, wikipedia